Sally Perel

„auch mir träufelten sie das Rassengift ein“


Sally Perel verkörpert in einzigartiger Weise eine Persönlichkeit, die sich mit großem Engagement für Respekt und Toleranz einsetzt. Als „Hitlerjunge Salomon“ hat er selbst erfahren, wie rassistisches Gedankengut zu inhumanem Denken und Verhalten führt.

 

Sally Perel ist sechzehn, als er 1941 von den Nazis gefangen genommen wird. Er ist Jude und schon seit Jahren auf der Flucht. Er weiß, dass er nur eine Chance hat: seine Papiere entsorgen und eine andere Identität annehmen, indem er sich als „Volksdeutscher“ ausgab.

 

Der Mut der Verzweiflung macht aus ihm Josef "Jupp" Perjell, das jüngste Mitglied der deutschen Wehrmacht und entgeht dadurch dem sicheren Tod. „Ich wurde von der Wehrmacht aufgenommen und in eine Uniform gesteckt." Ein Jahr lang lebt er mit den Soldaten an der Ostfront und unterstützt sie in der 12. Panzer­division als Dolmetscher.

 

Damit begann die mehr als drei Jahre andauernde Wandlung vom Juden Sally zum Hitlerjungen Jupp. Sie ereignete sich in Braunschweig. „Ich war kaserniert im Bann 468 der Hitlerjugend. Gleichzeitig waren wir Lehrlinge im Volkswagen-Vorwerk. Das war eine schreckliche Zeit für mich. Ich stand jede Minute unter der Gefahr, entdeckt und hingerichtet zu werden“, erinnert sich Perel.

 

Das Vorwerk war das erste aller Werke des Volkswagen-Konzerns: Im Februar 1938 ist das VW-Werk Braunschweig als sogenanntes Vorwerk gegründet worden. Damit begann der Bau rund drei Monate, bevor Adolf Hitler am 26. Mai 1938 den Grundstein für das Volkswagen-Werk in Wolfsburg legte.


Sally (Bildmitte) mit einigen Kameraden auf dem Heimgelände, 1943
Sally (Bildmitte) mit einigen Kameraden auf dem Heimgelände, 1943

 

Im Sommer 1943 schickt man den 18 jährigen nach Braunschweig ins Vorwerk der Volkswagenwerk GmbH.

 

Dort beginnt er eine Lehre als Werkzeugmacher. Gemeinsam mit vielen anderen Lehrlingen, die aus dem gesamten Reichsgebiet rekrutiert wurden, lebte er bis Kriegsende, inkognito in einem Internat der Hitlerjugend auf dem Werksgelände des heutigen Hauptwerks, in ständiger Angst entdeckt zu werden.


Viele Unternehmen in Deutschland haben das Thema Zwangsarbeit lange verschwiegen und verdrängt. Volkswagen war das erste Unternehmen, das sich mit diesem dunklen Kapitel seiner Geschichte beschäftigt hat und die Erinnerung daran bis heute pflegt."



Botschafter für Respekt und Toleranz

aus „Jupp“ wird langsam wieder Sally


Damals wie heute leben zwei Seelen in ihm. Er war der innerlich entwürdigte Jude und der äußerlich erhabene Hitlerjunge zugleich, eine unvorstellbare Kontroverse.

Im Vorwerk der damaligen Volkswagenwerk GmbH in Braunschweig erhält er als "Jupp" eine Ausbildung zum Werkzeugmacher. Hier wurden speziell ausgesuchte Jugendliche zu Facharbeitern ausgebildet, die später im Stammwerk bei Fallersleben arbeiten sollten. Die Lehrlingsausbildung galt damals als Eliteausbildung und „Jupp“ ist dort auch Mitglied der Hitler-Jugend.


Das Trafohäuschen an der Gifhorner Str. in BS mit dem Schriftzug Vorwerk
Das Trafohäuschen an der Gifhorner Str. in BS mit dem Schriftzug Vorwerk

 

In dieser Zeit erfährt er eine Erziehung, die ihn zu einem begeisterten Nazi machen soll. Heute sagt er: „Ich kam an die Grenzen eines Selbsthasses.“

 

„Jupp“ wird am 22. April 1945, einen Tag nach seinem 20. Geburtstag, in Braunschweig von den Amerikanern befreit. Erst nach Jahrzehnten erzählt er seiner Familie von seinem Überleben „in der Haut des Feindes“.


„Die Arbeit mit Zeitzeugen und Überlebenden ist für uns sehr wichtig, denn die Erinnerung ist bei Volkswagen Teil der Unternehmenskultur.“

Dieter Landenberger, Leiter Heritage Volkswagen



Der Zeitzeuge erzählt – seit mehr als 20 Jahren ist Sally Perel ein Vielreisender in Sachen Erinnerung
Der Zeitzeuge erzählt – seit mehr als 20 Jahren ist Sally Perel ein Vielreisender in Sachen Erinnerung

Das Anliegen des am 21. April 1925 gebürtigen Peiners ist es, diese Erfahrungen an die heranwachsende Jugend weiterzugeben und auf die Gefahren von heute aufmerksam zu machen.

 

Perel setzt sich aufgrund seiner eigenen Geschichte für ihre friedliche Gemeinschaft ein. „Am 8. Mai 1945 wurde Hitler militärisch besiegt, aber sein Geist noch lange nicht – da müssen wir noch einiges für euer Zusammenleben machen“, appelliert er regelmäßig an seine jungen Zuhörer. Aus seinen Vorträgen bzw. Lesungen soll ein Auftrag werden.

 

Wichtig ist Sally Perel aber vor allem, dass er seine Geschichte noch selbst erzählen kann, dass er mit jungen Menschen persönlich ins Gespräch kommt. Und so unternimmt er seit langen Jahren Lesereisen und berichtet Schülern und Auszu­bildenden in Deutschland aus seinem bewegten Leben, auf denen er sich mit großer Begeisterung ins Gespräch vertieft. „In diesen Reisen sehe ich den Sinn meines Überlebens. Gerade durch dieses Doppelleben als verfolgter Jude und Hitlerjunge ist es auch meine Pflicht, darüber zu berichten und mit einer Botschaft zu verbinden."

 

Dieser Einsatz von Sally Perel, noch im hohen Alter und seine persönliche Verbindung zum Volkswagen Werk Braunschweig sind der Anlass, dem Preis seinen Namen zu geben. Der ausgelobte „Sally-Perel-Preis“ soll diesem Ziel dienlich sein und Projekte junger Menschen belohnen, die sich für Respekt und gegen Rassismus einsetzen.


Das war kein Spiel

die Überlebensgeschichte von Sally Perel auf DVD


Das war kein Spiel!

Die Überlebensgeschichte des Sally Perel

In der Uniform der Hitler-Jugend und unter einem angenommenen Namen überlebt der 1925 im niedersächsischen Peine geborene Jude Sally Perel die Jahre 1943 bis 1945. 

 

Erst nach Jahrzehnten spricht Sally über diese Zeit, die ihn sein Leben lang prägt. Auf Vortragsreisen erzählt er seine Geschichte, um Jugendliche vor falschen Idealen zu warnen. Die DVD enthält zwei Vorträge, die Sally Perel im Dezember 2012 in Braunschweig und Wolfsburg gehalten hat.

 

Eine Dokumentation bietet ergänzende Informationen zur Lebensgeschichte von Sally Perel und zur Ausbildung im damaligen Vorwerk. Sie enthält neben zahlreichen Abbildungen auch Statements von Sally Perel, in denen er seine Überlebensgeschichte reflektiert.